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Andacht

 

„Lebt in Jesus Christus
und seid in ihm verwurzelt und gegründet
und fest im Glauben.“
(Kolosser 2, 6b-7a)

Im Sommer gehen alle Uhren irgendwie anders. Die Menschen sind entspannter und weniger gestresst. Es sollen sogar schon einzelne Exemplare gesichtet worden sein, die ihr Smartphone ausgeschaltet haben, um die Ruhe eines Sommertages wirklich genießen zu können.
Und wenn man in diesen Sommermodus umschaltet, dann tut das nicht nur unserer Seele gut, sondern dann werden auch bereits verschüttete Fähigkeiten wieder lebendig. Der eine hat Zeit für eine selbstgemachte Obsttorte. Ein anderer bastelt etwas an seinem Haus. Und wieder ein anderer geht mit der Kamera in den Garten und entdeckt dort Blumen, Insekten und Vögel, für die er vorher keinen Blick gehabt hat.
So ähnlich ist es uns auch auf unserer diesjährigen Wanderrüstzeit im Elbsandsteingebirge ergangen. Da haben wir Zeit füreinander gehabt und neue Freunde gewonnen. Die Sächsische Eierschecke hat uns gut geschmeckt. Die Andachten auf einer Klippe, in einer Grotte oder an einem Aussichtspunkt haben biblische Geschichten vor unseren Augen lebendig werden lassen. Und wir waren immer wieder erstaunt, welche landschaftlichen Schönheiten es bei uns zu entdecken gibt.
Im Sommer gehen nämlich nicht nur die Uhren anders, sondern auch unsere Sinne sind offen für Überraschungen. Eine dieser Überraschungen hat Matthias F. aus Bützer für uns fotografiert. Eine große Buche, bei der besonders die starken Wurzeln auffallen. Die Erde muss dort sehr dünn sein, so dass man dieses Geflecht so gut sehen kann. Und dahinter ein Tisch, ein Altar, ein Bogen aus Sandstein. Groß genug, um drunter durch zu gehen. Und wie ein Fenster in der Landschaft. Alle Menschen, die dort vorbei kommen, bleiben staunend davor stehen, denn hier hat der Steinmetz der Natur ein Kunstwerk geschaffen.
Mich persönlich beeindrucken an diesem Bild aber besonders die Wurzeln der Buche. Sie sind so stark und kräftig. So, als ob kein Sturm und keine Schneelast diesen Baum jemals fällen könnte.
Und deshalb hätte ich auch diesen Baum und seinen Steinbogen für eine unserer Andachten auf dem Weg aussuchen können. Dabei hätte ich dann den Apostel Paulus mit den Worten zitiert: „Lebt in Jesus Christus und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben.“ Mehr hätte ich dazu gar nicht sagen müssen. Den Rest der Predigt hätte der Baum übernommen. Seine Blätter hätten im Wind geraschelt und uns gesagt, dass wir in aller Ruhe kräftig und beständig unsere Wurzeln des Glaubens tief hinab senken sollen. Damit sie unter der Humusschicht die Risse und Sprünge des Felsen erreichen, um sich darin festzukrallen.
Denn dazu lädt uns die Sommerzeit ein. Dass wir uns Zeit für das Wachstum unserer Wurzeln nehmen. Dass wir nicht nur nach oben streben, sondern uns auch nach unten gründen. Wir sollen in Jesus verwurzelt sein. Wir sollen uns in ihn hinein festmachen. Unsere Nährstoffe und Wasser bei ihm suchen und aufnehmen. So dass wir im Glauben aufwachsen und grünen können.
Amen.
Ihr Pfr. Christoph Seydich