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Andacht

 

Das Leben kann manchmal hektisch und chaotisch sein. Die Andacht hilft dabei, das Chaos einmal ruhen zu lassen und sich der geistlichen Hinwendung Gottes zu widmen. Auch die Meditation kann eine vorbereitende Andacht sein. Solche Gebete finden häufig in den Gemeinden und zu besonderen Anlässen wie z.B. der Advents- oder Passionszeit statt. Eine evangelische Andacht kann sehr frei gestaltet werden. Jedes Mitglied der Kirche darf eine Andacht vorbereiten und diese auch halten. Die Möglichkeiten eine Andacht zu gestalten, sind vielfältig. Mit Kerzenbeleuchtung, Liedern und Gedanken über die Bibel und Gott, können jeden Ort zu einem Ort der Besinnung und Andacht verwandeln.

 

Monatsspruch April:

Jesus Christus sagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt (Matthäus 28,20)

Ein dringender Termin wartet auf mich. Ich bin spät dran. Fühle mich gehetzt. Dann unterwegs – vielleicht schaffe ich es gerade noch – zu  allem Überfluss: Verkehrskontrolle! Da stehe ich nun ans Auto angelehnt, während meine Papiere überprüft werden. Die Sonne scheint auf mein Gesicht.  Warm. Angenehm. Ich atme tief ein. Was soll ich sonst machen. Der erste tiefe Atemzug heute. Was für ein schöner Tag. Die Spannung fällt von mir ab. Es ist wie es ist. Früher war sowieso alles später. Mit einmal ist Zeit da. Warum stressen wir uns heutzutage so sehr? Vieles was das Leben erleichtern soll, macht es schwerer. Heute schreibt man keine Briefe mehr, man klickt. Es soll schneller gehen. Die Kinder werden schon im Kindergarten lernen, auf Knöpfe zu drücken, Displays zu wischen. Große Studien haben gezeigt, dass Kinder, die Fingerspiele gemacht und ihren Körper zum Lernen benutzt haben, besser in Mathe sind als die, die digital „gelernt“ haben, weil hier Gehirnareale ungenutzt verkümmern.  Aber es geht ja auch um viel Geld bei Handys und Playstations.

Alles muss schnell gehen, wir gewinnen digitale Zeit. Und der Preis? Wir verlieren Lebenszeit. Freunden begegnet man nicht auf Facebook, man muss ihnen, wenn man mit ihnen spricht,  in die Augen schauen können.

Zusammensein ist besser als einzeln chatten. Diese Erkenntnis wächst auch unter Jugendlichen. Denn Einsamkeit ist manchmal schlimmer als krank sein. Und eine Berührung kann gut tun. Ein gutes Wort kann Einsamkeit aufbrechen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt der Volksmund. Geteilte Freude verdoppelt sich. Es kann gesund machen oder vor Depression und anderen Krankheiten schützen, wenn man weiß, es gibt jemanden, der für mich da ist, der mich hört.

Lebenszeit – das ist Zeit, in der ich wirklich lebe. Haben Sie das Gefühl, dass Sie wirklich leben? „Bei dir ist Freude in allem Leide…“ so beginnt ein Lied.

Ich spüre die Sonne in meinem Gesicht. Mein Herz wird weit. Diese Unterbrechung meiner verplanten Zeit – sie entspannt mich, macht mich ruhig. Es ist, als wäre ich vorher abgekoppelt gewesen vom Leben und jetzt wieder am Leben.

Als ich wieder ins Auto steige, bin ich gelassen. Vor etlichen Jahren bin ich geboren worden. Irgendwann werde ich nicht mehr da sein.

Damals war ich nicht allein, sondern umgeben von Liebe und Nähe. Am Ende werde ich es auch sein. Am Ende auch jetzt in diesem Moment. Leben Sie wohl!

Ihr Pfarrer Hans-Dieter Kübler